Gehaltsverhandlung in Österreich: Strategien für mehr Gehalt

Über Geld spricht man nicht – zumindest laut österreichischer Tradition. Das führt dazu, dass viele ArbeitnehmerInnen deutlich unter ihrem Marktwert verdienen, einfach weil sie nie ernsthaft verhandelt haben. Dabei lohnt sich jede Gehaltsverhandlung: Schon 200 Euro mehr pro Monat summieren sich über zehn Jahre auf 24.000 Euro brutto – plus Sonderzahlungen.

Vorbereitung ist alles

Gehaltsverhandlung in Österreich: Strategien für mehr Gehalt

Die wichtigste Grundregel: Gehen Sie nie unvorbereitet in eine Gehaltsverhandlung. Das bedeutet konkret:

Marktwert ermitteln

Nutzen Sie den Gehaltsrechner der Arbeiterkammer (jobsundgehalt.at), die Gehaltstabellen der Kollektivverträge und Plattformen wie Glassdoor oder kununu. Finden Sie heraus, was Personen in vergleichbaren Positionen in Ihrer Region verdienen.

Leistungen dokumentieren

Sammeln Sie konkrete Erfolge: Projekte abgeschlossen, Umsatz gesteigert, Prozesse verbessert, Kosten gespart. Je messbarer, desto besser. Ein Ordner mit Projektabschlüssen und positiven Feedbacks ist Gold wert.

Weiterbildungen als Argument

Absolvierte Weiterbildungen sind eines der stärksten Argumente in Gehaltsverhandlungen. Ein WIFI-Diplom, eine IPMA-Zertifizierung oder ein abgeschlossenes MBA-Studium signalisiert: Ich habe in meine Qualifikation investiert – und das hat einen Marktwert.

Verhandlungsstrategien

Timing

Ideal: nach einem erfolgreichen Projektabschluss, zum Jahresgespräch oder nach Abschluss einer Weiterbildung. Schlecht: während einer Krise, nach einem Fehler oder wenn gerade Kündigungen im Raum stehen.

Die erste Zahl nennen

Wer die erste Zahl nennt, setzt den Anker. Nennen Sie eine Zahl, die 10-15 Prozent über Ihrem eigentlichen Ziel liegt – dann haben Sie Verhandlungsspielraum.

Alternativen anbieten

Wenn eine Gehaltserhöhung nicht möglich ist: Homeoffice-Tage, Weiterbildungsbudget, Bonusvereinbarung, Firmenwagen oder zusätzliche Urlaubstage. Manchmal ist ein Weiterbildungsbudget sogar wertvoller als eine Gehaltserhöhung – weil es langfristig den Marktwert steigert.

Was nach der Weiterbildung möglich ist

Konkrete Zahlen: Nach einem WIFI-Bilanzbuchhalter-Lehrgang steigt das Durchschnittsgehalt um 15-25 Prozent. Eine IPMA-Zertifizierung bringt 10-20 Prozent mehr. Ein berufsbegleitendes FH-Studium kann das Gehalt langfristig verdoppeln. Weiterbildung ist die sicherste Gehaltserhöhung, die es gibt.

Häufig gestellte Fragen

Gehaltsverhandlung in Österreich: Strategien für mehr Gehalt - illustration

Wie oft sollte ich eine Gehaltserhöhung ansprechen?

Einmal pro Jahr zum Jahresgespräch ist angemessen. Bei außerordentlichen Leistungen oder nach Abschluss einer signifikanten Weiterbildung auch außerhalb des regulären Turnus.

Was mache ich, wenn die Gehaltserhöhung abgelehnt wird?

Fragen Sie nach den konkreten Gründen und was Sie tun können, um beim nächsten Mal erfolgreicher zu sein. Vereinbaren Sie einen Fahrplan mit messbaren Zielen. Wenn auch das nicht hilft, prüfen Sie Ihren Marktwert extern.

Soll ich mit einer Kündigung drohen?

Nur wenn Sie es auch durchziehen würden. Leere Drohungen zerstören das Vertrauensverhältnis. Aber ein konkretes Alternativangebot auf dem Tisch ist das stärkste Verhandlungsargument überhaupt.

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