Meisterprüfung Österreich: Vorbereitung, Kosten und Ablauf

Handwerker in Werkstatt — Meisterprüfung Österreich

Der Meistertitel hat in Österreich einen ganz besonderen Stellenwert. "Meister" oder "Meisterin" ist nicht nur ein Qualifikationsnachweis — es ist ein geschützter Titel, vergleichbar mit einem akademischen Grad. Seit 2020 darf man ihn sogar offiziell im Ausweis eintragen lassen. Aber der Weg dorthin ist nicht ohne.

Was die Meisterprüfung beinhaltet

Die Meisterprüfung besteht aus 5 Modulen:

ModulInhaltArt
Modul 1Fachlich-praktische PrüfungMeisterstück oder Arbeitsprobe
Modul 2Fachlich-mündliche PrüfungFachgespräch
Modul 3Fachlich-schriftliche PrüfungFachkalkulation, Werkstoffkunde
Modul 4AusbilderprüfungPädagogik, Lehrlingsausbildung
Modul 5UnternehmerprüfungBWL, Recht, Rechnungswesen

Module 4 und 5 sind gewerbeübergreifend — wer sie einmal bestanden hat, muss sie nicht wiederholen, auch wenn man in einem anderen Gewerbe den Meister machen will.

Kosten der Meisterprüfung

Die Kosten setzen sich zusammen aus Vorbereitungskurs und Prüfungsgebühren:

PostenKosten (ca.)
Vorbereitungskurs (WIFI)3.000–8.000 €
Prüfungsgebühren500–1.500 €
Material für Meisterstück200–2.000 € (je nach Gewerbe)
Gesamt4.000–12.000 €

Klingt nach viel Geld — aber es gibt Förderungen, die einen Großteil abdecken können: Alle Förderungen im Überblick.

Vorbereitungskurse: Wo und wie

Der WIFI ist der wichtigste Anbieter für Meisterkurse — in allen 9 Bundesländern. Die Kurse dauern je nach Gewerbe 6 bis 24 Monate und finden berufsbegleitend statt (Abend und/oder Wochenende). Das BFI bietet in manchen Bundesländern ebenfalls Vorbereitungskurse an.

Die häufigsten Meisterberufe in Österreich

  • Tischlermeister/in
  • Elektrotechnik-Meister/in
  • Installateur-Meister/in (Gas, Wasser, Heizung)
  • KFZ-Technik-Meister/in
  • Friseurmeister/in
  • Bäckermeister/in / Konditormeister/in
  • Malermeister/in
  • Dachdeckermeister/in

Vorteile des Meistertitels

  1. Selbständigkeit — Für viele Gewerbe ist der Meistertitel Voraussetzung zur Gewerbeanmeldung
  2. Titel im Pass — Seit 2020: "Meisterin" / "Meister" im Personalausweis eintragbar
  3. NQR Stufe 6 — Gleichgestellt mit dem Bachelor im Nationalen Qualifikationsrahmen
  4. Höheres Einkommen — Meister verdienen im Schnitt 20–30 % mehr als Gesellen
  5. Lehrlinge ausbilden — Mit bestandenem Modul 4
  6. Ansehen — Der Meistertitel genießt in Österreich hohes gesellschaftliches Ansehen

FAQ: Meisterprüfung Österreich

Brauche ich für die Meisterprüfung eine bestimmte Berufserfahrung?

Formal nicht immer — aber die Prüfung setzt umfangreiche praktische Erfahrung voraus. In der Regel hat man mindestens 3–5 Jahre Berufserfahrung nach der Lehre. Manche Gewerbe verlangen eine bestimmte Praxiszeit als Zulassungsvoraussetzung.

Ist der Meistertitel wirklich einem Bachelor gleichgestellt?

Im Nationalen Qualifikationsrahmen (NQR) ja — beide sind auf Stufe 6. Das bedeutet: gleiche formale Wertigkeit. In der Praxis heißt das: Ein Meister kann sich auf Stellen bewerben, die "mindestens Bachelor" verlangen.

Kann ich die Module einzeln ablegen?

Ja. Man kann die 5 Module in beliebiger Reihenfolge und über mehrere Jahre verteilt ablegen. Das macht es berufsbegleitend besser planbar.

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